Die schöpferische Treue in der Sendung

[Creative fidelity in mission]

Ansprache von P. General auf der Versammlung der Provinziäle der Gesellschaft Jesu, Loyola 2000
 

Zuerst möchte ich Sie alle in Loyola zu diesem Treffen willkommen heißen, das die 34. Generalkongregation für so wichtig hielt, dass sie es verpflichtend gemacht hat. Hoffen wir, dass es nicht dasselbe Schicksal erleidet wie die Kongregation der Provinziäle. Diese Einrichtung der 31. Generalkongregation wurde nach ihrem ersten Treffen an diesem Ort im September 1990 durch das Dekret 23 der letzten Generalkongregation wieder abgeschafft! Aber dieses Dekret der Unterdrückung der Kongregation der Provinziäle hat, als eine Art Trostpreis, in der Folge auch bestimmt, der General sollte ungefähr alle sechs Jahre von der letzten Generalkongregation an gerechnet ein „Treffen aller Provinziäle zusammenrufen, um den Zustand, die Probleme und die Initiativen der weltweiten Gesellschaft, wie auch der internationalen und überprovinziellen Kooperation zu erörtern.“ [GK 34, 486]

Dieses Treffen wurde innerhalb des Zeitlimits einberufen, welches das Dekret vorgesehen hat. Der Ausdruck „alle Provinziäle“ wurde im Einklang mit der Praxis für die Teilnahme an den Generalkongregationen interpretiert: alle Höheren Oberen und alle Moderatoren der Provinzialskonferenzen. Auch die Generalsberater sind Teilnehmer, sowie als Ausnahme, weil seine Hilfe unabdingbar ist, der Sekretär der Gesellschaft. Keine anderen Amtsträger der Kurie noch die Bereichssekretäre nehmen teil.

Dieses Treffen hat weder die Tradition, die „Formula“, noch die Gesetzgebungsgewalt einer Generalkongregation. Es ist eine einmalige Gelegenheit für jene Männer, die das Gewicht der Verantwortung für die Gesellschaft tragen, sich kennenzulernen, die Verbindungen von gegenseitiger Hilfe und apostolischer Zusammenarbeit zu stärken und ihre Erfahrungen und Initiativen auszutauschen. Es ist besonders eine Gelegenheit, interprovinzielle Verbindungen zu verstärken und von neuem Anstrengungen dieser Art mit dem Blick auf eine größere apostolische Effektivität auf überprovinzieller Ebene zu starten.

Dieses Treffen kann sich als seine Aufgabe vornehmen, was das 21. Dekret der letzten Generalkongregation P. General für seine Kontakte mit den Provinziälen und Moderatoren empfiehlt: „die größeren Bedürfnisse der universalen Kirche“ zu unterscheiden und „globale und regionale Prioritäten“ festzulegen, die „in Betracht gezogen werden sollen, wenn Konferenzen und Provinzen ihre eigenen Prioritäten aufstellen“. [GK 34, 461]

Um das Treffen zu erleichtern und um zu vermeiden, dass wir uns ohne einen Focus finden, wurde ein „coetus praevius“ eingerichtet. Dieses Komitee bereitete in enger Zusammenarbeit mit der Generalskurie eine Agenda vor, die den Teilnehmern zur Verfügung gestellt wurde, sowie eine Anzahl von Dokumenten zu den Fragen, die zur Diskussion anstehen würden. Die Agenda war so gestaltet, dass Raum bleiben würde für persönliche Treffen und solche innerhalb der Assistenzen, und dass sie uns helfen würde, zu Empfehlungen zu kommen, die sich die zentrale Leitung der Gesellschaft zu eigen machen kann. Im übrigen kann, da es sich um nichts mehr als ein „Treffen“ handelt, die Art des Vorangehens ohne jene Restriktionen und Vorbedingungen hinterfragt werden, die im Falle der verschiedenen „Kongregationen“ auferlegt sind. 

Schöpferische Treue

Es ist nicht ganz zufällig, dass dieses Treffen in Loyola stattfindet. So schien es einerseits klug, die Ewige Stadt zu meiden, die, von den Pilgern des Jubiläumsjahres überlaufen, nicht der geeignete Platz gewesen wäre, eine fruchtbare Gastlichkeit für solch ein Treffen anzubieten. Aber die Wahl von Loyola hat auch eine ganz und gar positive Bedeutung für die Gesellschaft: In seiner Rückkehr zu den Ursprüngen ist es auf der Suche nach einem neuen Startpunkt, nach einer Treue zu der Erfahrung des hl. Ignatius, die zu gleicher Zeit schöpferisch ist.

Es ist unwichtig, ob wir das derzeitige Modewort „Neugründung“ [refounding] benutzen. Dieses Wort bedeutet nur, dass das Ordensleben nicht dazu gerufen ist, zu wiederholen, was der Gründer getan hat, sondern das zu tun, was er heute, in der Treue zum Geist, tun würde in der Antwort auf die apostolischen Bedürfnisse unserer Zeit. Aber zweifellos ist es mehr als ein Modewort; es ist ein Anerkennen eines Unbehagens, weil etwas nicht richtig funktioniert, ein Gefühl, dass es einen Bruch zwischen dem Verlangen gibt, Christus nachzufolgen, und der Art und Weise, wie das spirituelle Erbe des Gründers tatsächlich gelebt wird. Wir spüren, dass das Werk der Erneuerung und Anpassung an die moderne Kultur nicht ausreicht; dass wir radikaler sein müssen, und zwar gleicherweise in der treuen Rückkehr zu unseren Ursprüngen wie auch in der Aufmerksamkeit auf die Herausforderungen des gegenwärtigen Augenblicks und auf das, was von uns verlangt ist, um hier und jetzt die Erfahrung unseres Gründers Ignatius zu leben.

Wenn wir jene Leidenschaft für Gott und sein Reich, die uns drängt, „mutig von neuem die unternehmende Initiative, die Kreativität und Heiligkeit ihrer Gründer und Gründerinnen in der Antwort auf die Zeichen der Zeit in der heutigen Welt wiederzufinden“ [Vita Consacrata 37], in die ignatianische Sprache übersetzen wollen, wäre es besser, den Begriff von „Neugründung“ beiseite zu lassen angesichts des dynamischen Charakters der ignatianischen Spiritualität. Die Erfahrung von Ignatius ist für uns nicht die eines Gründers, der auf stabile und dauerhafte Stützen baut, sondern die eines Animateurs, eines Inspirateurs, der uns auf einen der möglichen Wege zu Gott schickt. Wenn „Neugründung“ bedeutet, dem Ordensleben eine Grundlage zu geben oder diese zu restaurieren, müssen wir anerkennen, dass für Ignatius die Grundlage der Gesellschaft nicht eine Regel oder eine Lehre war, ein Organigramm oder eine Organisation, sondern eine Quelle lebendigen Wassers, die, in der Unterscheidung des Geistes, unablässig von neuem überströmt, sich erfrischt und sich erneuert, für den größeren Dienst Gottes und seines Reiches der Liebe.

Deswegen konnte Ignatius, als er seine Erfahrungen in den Satzungen kodifizierte, Verben der Bewegung nicht vermeiden: „Wir halten es für notwendig, dass Satzungen geschrieben werden, die uns helfen, gemäß unserem Institut auf dem begonnenen Weg des göttlichen Dienstes besser voranzugehen.“ [Sa 134]. Unsere Treue schreibt sich ein in die schöpferische Erfahrung von Ignatius, die „ein sicherer Weg zu Gott“ ist, auf dem uns Ignatius gehen sehen wollte [Sa 582]; unsere Kreativität gründet sich auf unsere „Weise voranzugehen“, die jeden von uns einlädt, zu „überlegen, was mehr zur Erreichung dessen helfen könnte, was die Gesellschaft erstrebt“ [Sa 803], „so dass in allem Gott unserem Herrn und dem Apostolischen Stuhl besser gedient werde.“ [Sa 612]

Wenn wir uns nun so selbst prüfen wollen auf diese „schöpferische Treue“ (oder die „Neugründung“) hin, so entsteht ganz zu Beginn eine Frage: Ist meine Führung der Provinz oder Region, die der Herr der Ernte mir anvertraut hat, konditioniert durch die Aufrechterhaltung apostolischer Werke, durch die Zufriedenstellung der Unseren, durch ein Umfeld von Unbeweglichkeit oder um sich greifender Entmutigung? Oder ist sie statt dessen „bewegt mit einem Verlangen, der Göttlichen Majestät zu dienen“ [Sa 540] und „im größeren Dienst Gottes voranzuschreiten“? [Sa 281, 424, 565]. Gehen wir neue Initiativen an mit den Männern, die der Herr uns gibt, oder sind wir gute Verwalter, aber mit „keinerlei geistlichen Bewegungen“? (GÜ 6) Sind wir vielleicht unempfänglich gegenüber dem, was in der Kirche und der Welt das Licht erblickt, und Initiativen und kreative Taten von uns braucht? Ohne Zweifel kann man sagen, ein wenig die Besorgnis übertreibend, die der hl. Ignatius ausdrückte, dass man einer Provinz misstrauen sollte, die der Provinzial als ruhig oder gelassen charakterisiert. Es wäre besser für die Provinz, aufgerüttelt zu werden und etwas Neues zu tun für die größere Ehre Gottes.

Der hl. Ignatius war mit dem Ausdruck „schöpferische Treue“ nicht vertraut, aber die apostolische Spannung, die dieser Begriff ausdrückt, hat die Identität des apostolischen Leibes der Gesellschaft von den Ursprüngen bis heute definiert.

Treue zur Gesellschaft

Treue vor allem zum Geschenk des Geistes, das die Gesellschaft Jesu für die Kirche in der Welt ist. Ignatius war sich dessen voll bewusst, als er schrieb: „Die Gesellschaft ist nicht durch menschliche Mittel errichtet worden und sie kann mit ihnen weder bewahrt noch gemehrt werden.“ [Sa 812] Die Gesellschaft ist uns als Höheren Oberen auf eine klare und bestimmte Weise anvertraut. Aber wir leiten die Gesellschaft nicht nach unserem persönlichen Geschmack oder entsprechend unseren Inspirationen, so gut sie auch sein mögen. Der Gehorsam, den wir als die Verantwortlichen verlangen können und müssen, ist bestimmt durch unsere Treue zum Geschenk des Geistes, das die Gesellschaft ist, „auf Gott unseren Herrn vertrauend, dem sie dient“ [Sa 555], mit dem einzigen Wunsch, dass „seine göttliche und höchste Majestät sich dieser geringsten Gesellschaft bediene.“ [Sa 190]

Es gibt viele andere Pfade zu Gott, viele andere Spiritualitäten, alte und neue, in der Kirche. Aber wenn der Herr uns gerufen hat, „in die Gesellschaft eingegliedert“ zu werden [59], was viel mehr ist als in irgendeinen Verein aufgenommen zu werden, so verbietet die Treue zu diesem apostolischen Leib jede Art von doppelter Zugehörigkeit. Sie drängt uns, das Geschenk des Geistes zu erkunden und getreu auszuschöpfen. Wir tun dies, indem wir die Erfahrung von Ignatius und seinen ersten Gefährten betrachten, indem wir unterscheiden, wie wir unser reiches spirituelles Erbe, unablässig genährt durch die Geistlichen Übungen, heute fruchtbar machen können, unsere lange, vielfältige apostolische Überlieferung und unsere besondere Weise des Vorangehens, die die Dynamik unseres apostolischen Ordenslebens hervorbringt und aufrecht erhält. Aber dies heißt in keinster Weise, dass wir uns selbst stolz in einer Art sturer „Restauration“ verschließen. Es bedeutet, die Gabe fruchtbar zu machen, die der Geist uns für den Dienst an der Kirche in der Welt anvertraut hat, mittels „all der guten Werke, die Gott unser Herr sich würdigt zu vollbringen durch die ganze Gesellschaft zu seinem größeren Dienst und Lobpreis.“ [Sa 114]

So müssen wir uns, während wir zutiefst von Dialog und Partnerschaft überzeugt und dankbar dafür sind, in einer Gesellschaft zu leben, die reich ist in pluralistischer Verschiedenheit, doch den Tatsachen ins Auge sehen: wir werden nichts in diese Gesellschaft oder in diesen Dialog einbringen können, wenn wir uns nicht erlauben, uns sozusagen vom ignatianischen Charisma ganz durchtränken zu lassen. Nicht um es mechanisch zu wiederholen, sondern um es neu zu verwirklichen, hier und jetzt, zum Dienst an der Kirche und an der Welt. Das ist der Grund, warum wir darauf bestehen müssen, dass die Charakteristiken dieses Charismas unserer ganzen Ausbildung, der am Beginn und der permanenten, eingeprägt werden, und weswegen wir wachsam sein müssen, um sicherzustellen, dass unsere Art zu beten und zu handeln, zu unterscheiden und zu leiten, jene Gabe widerspiegelt, die der Geist uns für seine Kirche in der Welt von heute anvertraut.

Treue zur Sendung

Die Treue zur Quelle des Lebens der Gesellschaft, die Gott selbst ist [Sa 134] führt uns zur Frage: Warum hat der Herr die Gesellschaft erstehen lassen? Was ist die raison d'être, der wir treu bleiben müssen? Oder, einfacher gesagt, was bedeutet es, Jesuit zu sein? Die 32. Generalkongregation spürte das Bedürfnis, sich dieser Frage zu stellen, und antwortete: „Erfahren, dass man als Sünder trotzdem zum Gefährten Jesu berufen ist. Wie Ignatius, der die selige Jungfrau bat, sie möge ihn 'ihrem Sohn zugesellen'. Und der sah, wie der Vater den kreuztragenden Jesus bat, diesen Pilger in seine Gesellschaft zu nehmen.“ [GK 32, 11]

Dieser treffende und inspirierende Bezug auf die Erfahrung von La Storta drückt sehr gut aus, was zu werden wir berufen sind. Trotzdem ist die Generalkongregation nicht zufrieden damit; vielmehr entscheidet sie sich, sich im Kampf um Glaube und Gerechtigkeit zu engagieren, und macht dieses Engagement zum entscheidenden Charakteristikum dessen, was Jesuiten heute sind und tun. Die Kongregation hat zudem noch ein anderes Wort gefunden, das Ignatius, dessen apostolische Erfahrung es mit neuer Bedeutung füllte, sehr teuer war: die Sendung. „Ein Jesuit ist deshalb ein Mann in einer Sendung. Seine Sendung empfängt er unmittelbar vom Papst und den Ordensoberen, letztlich aber von Christus, der selbst vom Vater gesandt ist. Gerade dadurch, dass er gesandt ist, wird der Jesuit ein Gefährte Jesu.“ [GK 32, 24]

Wenn Ignatius das Wort Sendung verwendet hat, achtete er darauf, ihm diese spezifische Bedeutung zu geben. Obwohl heute der Schwerpunkt fast ausschließlich darauf liegt, zu wem man gesandt ist, legt Ignatius den Nachdruck in erster Linie auf den, der sendet. Zu Zeiten von Ignatius wurde das Wort „Sendung“ [mission] noch nicht dazu benutzt, um über die Verbreitung des Glaubens, die Predigt oder die Verkündigung des Evangeliums zu sprechen. Als Ignatius selbst sich 1540 Papst Paul III. vorstellte, drückte er seinen Wunsch aus, gesendet zu werden, seine Bereitschaft, dem Herrn nachzufolgen, der gesandt war, das Reich Gottes, auch heute noch, „in den Synagogen, Städten und Dörfern“ (GÜ 91) zu verkünden. Die letzte Generalkongregation griff das Wort „Sendung“ in entschiedener Weise wieder auf und hob seine drei Dimensionen hervor: unsere Sendung und die Kultur, unsere Sendung und die Gerechtigkeit, unsere Sendung und der interreligiöse Dialog. Sie unterstrich auch das, was wir sind: Diener der Sendung Christi. In ihrem Dekret 26, das unsere Weise des Vorangehens zusammenfasst, ruft die Generalkongregation in Erinnerung, dass unser Ideal „eine bedingungslose Hingabe an die Sendung ist, frei von jedem weltlichen Interesse, und frei, allen Männern und Frauen zu dienen“ und dass sich unsere Sendung „auch darauf erstreckt, diesen gleichen Geist der Sendung in anderen wachzurufen.“ [GK 34, 558]

Wir müssen anerkennen, dass die Treue zum Dienst an der Sendung Christi uns, als missionarischen Leib, in eine delikate Situation bringt, in der wir mit schwierigen Anforderungen konfrontiert sind. Vor allem, wenn jeder von uns sich daran macht, ein apostolisches Projekt für die Provinz auszuarbeiten, oder die Zukunft ihrer Werke zu planen, berücksichtigt er natürlich in der einen oder anderen Weise, wenn er über das reflektiert, was zu tun ist, die gegenwärtigen Möglichkeiten und begrenzten verfügbaren Ressourcen. Die Treue zum Ignatianischen Charisma drängt uns aber, in der Ausführung jenes Dienstes, den wir zu erweisen haben, eine apostolische Wahl zu treffen: „den größeren Dienst“ [Sa 623], den „Seelen zu helfen, damit sie ihr letztes und übernatürliches Ziel erreichen“ [Sa 813], „das letzte Ziel zu erreichen, für das sie geschaffen sind“ [Sa 307], „indem man stets unser Ziel des größeren allgemeinen Wohls vor Augen behält.“ [Sa 466]

Wenn wir von Ignatius lernen wollen, wie wir dieses größere allgemeine Gut konkretisieren, wie wir konkrete Mittel im Dienst der Sendung Christi auswählen sollen, bemerken wir, dass die Konstitutionen einen Horizont im Blick haben, der immer offen, eine Perspektive, die immer unbeschränkt ist. Ignatius lässt sich niemals einengen auf ein bestimmtes Werk, oder festlegen auf nur einen bestimmten Platz. Sicherlich lässt er durchblicken, dass er diese oder jene konkrete Form des Dienstes bevorzugt; er entwirft sogar eine Art Hierarchie, in der er dem direkten Dienst am Wort Gottes, um den Menschen zu einer persönlichen Begegnung mit ihrem Herrn, dem Schöpfer und Erlöser, zu verhelfen, den Vorrang gibt. Aber trotz dieser Prioritäten legt er nicht im Voraus die Modalitäten des Dienstes der Sendung Christi fest. Diese bleibt ein auf alle Richtungen hin offen, so dass die Treue zum Ignatianischen Charisma uns dazu drängt, ständig erfinderisch zu sein, unablässig in Bewegung, da es immer den größeren Dienst zu verfolgen gilt.

Sicherlich wäre es nützlich, eine Liste der konkreten Formen zu haben, der Sendung Christi zu dienen: eine Art erschöpfende Aufzählung, wie sie Provinzplanungen manchmal einzuschließen versuchen. Aber der Weg, den Ignatius angibt, ist jene Auswahl der geistlichen Dienste, die gleichzeitig aus einer Leidenschaft für die aktualisierte Sendung Christi, und aus einer Indifferenz heraus kommt, die uns freimacht angesichts aller konkreten Formen, so dass wir das wählen können, was in der gegebenen Situation in der Kirche und der Welt hier und jetzt der größere Dienst ist. Wenn ein apostolischer Plan nicht Frucht dieser Spannung ist, wird er einen Höheren Oberen nicht in seiner Wahl leiten können. Um fruchtbar zu sein, hängt ein Plan sehr viel weniger von der großen Zahl der Jesuiten ab, als von Männern mit genuinen Qualitäten, sowohl menschlichen als auch geistlichen. Allzu oft fehlt den apostolischen Planungen die wahre „Indifferenz“, die nötig ist; sie versuchen, alle zufriedenzustellen, und erhalten aufrecht, was sie im Blick auf das größere Gut nicht zu opfern wagen. So vergessen sie, Raum für die Wahlfreiheit der nachkommenden Generationen zu schaffen, so dass diese die apostolischen Dienste aufbauen können, die für die Zukunft wichtig sein werden. Zweifellos aus diesen Gründen hatten einige der Prokuratoren auf der Kongregation letzten September den Eindruck, die Höhere Obere wüssten nicht, in welche Richtung sie vorangehen sollten und suchten deshalb Zuflucht im täglichen Geschäft, indem sie Gelegenheiten ausnutzen, die ihnen über den Weg laufen und jene auslassen, mit denen sie sich nicht befassen können.

Der Eindruck, den einige der Prokuratoren in diesem Urteil ausdrückten, trägt der Tatsache nicht Rechnung, dass, in einer Sendung, nur der, der sendet, den Weg kennt und festlegt, den der Gesandte zu gehen hat. Die Treue besteht darin, in Gottes Schritt zu gehen, Tag um Tag, mit einer ausreichenden Vision, die aus der Unterscheidung stammt, um voranzugehen, und mit genug Flexibilität, um den Weg zu ändern, wenn der sanfte Atem des Geistes uns führt, wo und wie er will. Auf jeden Fall haben die Jesuiten, die uns vom Herrn anvertraut sind, ein Recht darauf, gesendet zu werden. Die jährliche Gewissensrechenschaft mit dem Höheren Oberen bleibt der bevorzugte Moment, wenn die persönliche Sendung - die nicht mit der Arbeit allein identifiziert werden darf - mit dem apostolischen Plan der Provinz in Einklang gebracht werden kann. Weil letzten Endes alles vom Geist der Sendung - im ignatianischen Sinn des Wortes - abhängt, der die Provinz und jedes ihrer Mitglieder beseelt, müssen wir uns selbst fragen, als Männer, denen offiziell die Verantwortung übertragen ist, was getan werden muss, damit die Gesellschaft ihre Treue zu der Erfahrung von Ignatius in La Storta, die wir hier und heute im Dienst der Sendung Christi zu leben haben, klärt und vertieft, festlegt und konkretisiert.

Kreativität für das „Magis“

Ignatius wäre vielleicht angesichts des Ausdrucks „schöpferische Treue“ erstaunt gewesen. In seiner Spiritualität des „magis“ war die Kreativität in das innerste Herz der Treue eingeschrieben, dem Herrn nachzufolgen, der immer „auf dem Weg“ ist. Auch die Konstitutionen selbst - verfasst als der Weg einer progressiven Inkorporation in den apostolischen Leib der Gesellschaft - bezeugen Ignatius' Sensibilität für neue Herausforderungen, neue Nöte und neue Anfragen in sich ändernden nationalen und internationalen Verhältnissen und wechselnden kirchlichen und kulturellen Situationen. Ignatius folgend wird „jeder Sohn der Gesellschaft immer in einer stimmigen jesuitischen und ignatianischen Weise handeln und reagieren, auch in unvorhergesehensten Situationen.“ [GK 34, 562] Dies deswegen, weil der Jesuit, wenn er inmitten der Herausforderungen und Möglichkeiten, die beide gleich komplex sind, in der heutigen Welt Gottes Zeichen der Zeit unterscheidet, eine apostolische Notwendigkeit für Kreativität entdeckt. Die letzte Kongregation hat vielleicht mit einer gewissen Übertreibung angesichts der gelebten Realität, aber mit einem korrekten Verständnis der ignatianischen Spiritualität unterstrichen , dass „Jesuiten nie zufrieden sind mit dem Status quo, dem Bekannten, dem Erprobten, dem schon Vorhandenen. Wir sehen uns ständig gedrängt, Neues zu entdecken, neu zu definieren, uns nach dem „magis“ auszustrecken. Für uns sind Grenzen und Schranken keine Hindernisse und Abschlüsse, sondern neue Herausforderungen, die angegangen werden müssen, neue zu begrüßende Möglichkeiten. Wir haben wirklich eine heilige Kühnheit, 'eine gewisse apostolische Aggressivität', die typisch ist für unsere Weise des Vorangehens.“ [GK 34, 561]

So sieht, wenigstens prinzipiell, schöpferische Treue im ignatianischen Sinn aus. Der eine oder andere, oder vielleicht jeder von uns, mag Schwierigkeiten haben, seine Provinz in diesem missionarischen Geist immer auf der Suche nach dem „magis“ wiederzuerkennen. Trotzdem lohnt die Anstrengung, einige Aspekte dieser schöpferischen Spannung herauszuarbeiten, um besser den Status der Gesellschaft zu kennen und unter uns darüber zu sprechen, um das Gespür für unsere Sendung zu vertiefen oder, wenn nötig, wiederzufinden.

Kreativität in den Spannungen des Lebens

Wenn wir getreu dem ignatianischen Charisma leben wollen, müssen wir uns einer Reihe von Spannungen aussetzen, die Ignatius in das Ordensleben einführte und die es fruchtbar machen: Kontemplation und Aktion, universale Verfügbarkeit und Inkulturation, die unvermeidlich lokal begrenzt ist, Unentgeltlichkeit in der Sendung und Güterbesitz um des Apostolates willen, der Geist, der inspiriert und der Geist, der durch die Kirche spricht, Unterscheidung in Gemeinschaft und Gehorsam, Solidarität mit den Ärmsten und Erziehung der Elite von morgen, der Wunsch, viele Berufungen zu haben und die unvermeidlicherweise kleine Zahl derer, die auf die Anforderungen der uns eigenen Sendung antworten. Es wäre nicht schwer, der Liste dieser Spannungen noch mehr hinzuzufügen, was unser apostolisches Leben kennzeichnet und beunruhigt. Es ist ein Leben in der Welt und inmitten der Menschen, wie das Leben der Apostel des Herrn.

Gerade hier in Loyola scheint es angebracht, uns mit Dankbarkeit daran zu erinnern, dass Ignatius, während er sich der Notwendigkeit eines Bruchs mit der Welt um der evangelischen Radikalität willen bewusst war, vom Geist dazu berufen wurde, eine Form des Ordenslebens einzuführen, die ihre Radikalität in der Solidarität mit denen ausdrückt, die in der Welt sind, im Namen des Herrn, der sie „liebte bis zu Vollendung“ (Joh 13,1): im „Dienst für Gott unseren Herrn in der Hilfe für die ihm gehörenden Seelen“ [Sa 204], der „alle Arten von Personen umfasst, um ihnen zu dienen und im Herrn aller zur Erlangung der Seligkeit zu helfen.“ [Sa 163]

Ignatius weiß, dass diese Gegenwart in der Welt gewisse Risiken mit sich bringt. Die unserem Ordensleben innewohnenden Spannungen führen leicht zu Dichotomien, Kompromissen oder Zweideutigkeiten, die unsere Sendung entstellen und unfruchtbar machen. Im Geist von Ignatius ist die Gesellschaft untrennbar ein Leib für Gott und ein Leib für die in der Welt. Sie ist das eine nur, weil sie auch das andere ist. All ihre apostolische Radikalität drückt sich aus in der Stärke, mit der sie die unausweichlich auftretenden Spannungen, die aus ihrer Treue zu Gott in der Treue zu denen, die in der Welt sind, entstehen, als schöpferisch erfährt. Ihre Sichtbarkeit kann nicht auf einem radikalen Bruch mit der Welt basieren, sie muss viel mehr in einer Präsenz liegen. Und diese Präsenz muss lebendig, sprechend und handelnd sein; sie muss sich selbst den Ängsten und den Fragen der Menschen in der Welt aussetzen; sie hat mit ihnen solidarisch zu sein in ihren Freuden und Leiden, ihren Hoffnungen und ihrem Elend, alles im Namen eines Gottes, der sie bis zum äußersten mit einer Liebe liebt, die keusch, arm und gehorsam ist.

Es ist für Ihn und für sie, für die wir alle diese Spannungen tragen, die normalerweise unser Leben und unsere Sendung fruchtbar und schöpferisch machen sollten, uns aber auch lähmen und entzweien können. Dies wird dann geschehen, wenn wir nicht den Mut haben, uns den Fragen der Welt und den Zweifeln, die das Volk Gottes erfährt, aufrecht zu stellen, um sie anzugehen, um zu entscheiden, was zu tun und welche Wahl zu treffen ist. Es liegt an uns, zu sehen, ob in unseren Provinzen und auf überprovinzieller Ebene genügend Raum ist für Unterscheidung im Gebet, für offenen Dialog, für ein Teilen und einen Austausch, um fähig zu sein, gemeinsam unseren Weg zu finden durch die Spannungen hindurch, die Teil unserer Sendung sind. Wir müssen auch überlegen, inwieweit wir die Eckpunkte unserer Beratungen denen in der Welt bekannt machen sollten, um ihnen die frohe Botschaft zu verkünden, „sei es gelegen oder ungelegen, oder um in Solidarität mit ihnen und für sie die Ungerechtigkeiten anzuklagen.

Die Spannung zwischen global und lokal

In diesem Treffen der Höheren Oberen der Gesellschaft sollte eine Spannung von besonderem Interesse für uns sein. Während seines Besuchs in Georgia im letzten Jahr hat Johannes Paul II. sie als die Spannung vorgestellt, die das nächste Jahrtausend prägen wird. Es ist die Spannung zwischen der voranschreitenden Globalisierung und den örtlichen Realitäten, die bedroht sind. Auf vielen Ebenen, von der Wirtschaft bis zur Religion wird die Welt mehr und mehr zum „globalen Dorf.“ Auf der Ebene des Informationsaustauschs zum Beispiel erlaubt uns die Globalisierung, schnell herauszufinden, was auf der Welt passiert; dies führt in der Regel zu Reaktionen von weltweiter Solidarität. Auf der Ebene der Religion werden Ökumenismus und interreligiöser Dialog nahezu unvermeidlich. Sollte die immer größere Einheit der menschlichen Rasse, die menschlich und göttlich möglich wird, vielleicht auf der Ebene der Religion unmöglich sein? Dank Einwanderung und Auswanderung, Tourismus und Volontariat, der Suche nach Arbeit und nach Modernität ist die Menschheit in Bewegung. Angesichts dieses Faktums wird alle Unbeweglichkeit, alles Sektierertum mehr und mehr anachronistisch. Auf der politischen Ebene entdecken die Staaten mehr und mehr ihre gegenseitige Abhängigkeit; sie formen Unionen oder Blöcke, um den globalen Herausforderungen zusammen zu begegnen. Für seinen Teil hat das Zweite Vatikanische Konzil, angestoßen durch den Geist, die Kirche als Gemeinschaft im Geist wiederentdeckt, die Sorge für alle Kirchen trägt und sich öffnet für den Geist, der in der ganzen Menschheit am Werk ist und der das Weltall erfüllt.

Während er dankbar diese Bewegung in Richtung Globalisierung als eine Chance für wachsende Geschwisterlichkeit begrüßt hat, hat Johannes Paul II. auch ihre negativen Aspekte herausgehoben. Die Globalisierung riskiert voranzuschreiten, ohne Kulturen, Nationen, Sprachen oder sogar Personen in ihrer gebührenden Verschiedenheit zu respektieren. Besonders auf der wirtschaftlichen Ebene ist die Globalisierung eher negativ zu beurteilen, denn eine global gewordene Marktwirtschaft führt nicht automatisch zum Wohl aller. Sie sieht auf ihre eigene Entwicklung, und macht so die Reichen reicher und die Armen noch ärmer. So wird die Globalisierung mit ihren unleugbar positiven Aspekten und ihren negativen, gefährlichen, selbst zum Objekt unserer Unterscheidung.

Die Vision des Hl. Ignatius war eindeutig global: „Unsere Berufung ist es, durch die Welt zu reisen und gleich in welcher Gegend zu leben“ [Sa 304] Weil er auf das universale Gut zielte, das immer das größere Gut ist, konnte Sendung für Ignatius nichts anderes sein als die Sendung eines universalen apostolischen Leibes, mit der Gabe globaler apostolischer Verfügbarkeit. Auch wenn wir für eine genau bestimmte Ecke im Weinberg des Herrn verantwortlich sind, sind wir vom ignatianischen Charisma herausgefordert, uns nicht in ihr einzuschließen, uns nicht vom universalen Leib der Gesellschaft zu isolieren. Ganz im Gegenteil: wir werden immer von einer Perspektive aus arbeiten, die die Sendung Christi weiterführt und entfaltet und so offen ist, in die ganze Welt hinein auszustrahlen, offen für die vielseitige Großzügigkeit der Gabe, die Gott von sich selbst an die ganze Menschheit macht, in und durch Christus. Nur in diesem Geist können wir die interprovinzielle Zusammenarbeit und überprovinzielle Kooperation intensivieren. Es wäre bedauerlich, wenn wir in diesem Treffen in Loyola nur durch die unausweichliche Notwendigkeit zur Zusammenarbeit gedrängt würden, die aus dem Mangel aus qualifiziertem Personal oder der Komplexität unserer Institutionen entsteht. Die Verstärkung oder Einrichtung von inter- und überprovinziellen Strukturen müssen Ausdruck unserer Einheit von Herzen und Geist sein, der Solidarität und der Zusammengehörigkeit eines einzigen universalen apostolischen Leibes im Dienst der Kirche auf der ganzen Welt.

Die Spannung der interprovinziellen Zusammenarbeit

Eine Spannung müssen wir konkret leben. Wir müssen global denken, aber unsere Aktivitäten werden abhängig sein von einem bestimmten Ort, von lokalen Gegebenheiten. Wir können nicht zwischen dem globalen und dem lokalen wählen; wir müssen die Spannung zwischen dem universalen und dem besonderen Gut leben. Es liegt aber an uns, ob diese Spannung destruktiv oder fruchtbar sein wird für das Wohl der Menschheit. Der hl. Ignatius hat nicht gezögert, die Gesellschaft mit dieser apostolischen Spannung zu konfrontieren: einerseits verlangte er universelle Verfügbarkeit und machte gleichzeitig das Erlernen von Sprache und Kultur jener Gegend verpflichtend, wo der Herr des Weinbergs seine Missionare hingesandt hatte. Im Geist des hl. Ignatius sollte Globalisierung nicht zu Uniformität führen, sondern zur Einheit, zu einer Gemeinschaft im Geist, die sogar aus der reichen und verwirrenden Verschiedenheit der lokalen Kirchen, der theologischen Schulen und Strömungen der Spiritualität, aus Kulturen und Sprachen, aus Berufungen zum Laien, Kleriker oder Ordensleben ein pfingstliches Ereignis macht.

Wir sind uns der Versuchung bewusst, diese Einheit einer zentralistischen Verwaltung anzuvertrauen, die sich aufdrängt oder an die Stelle einer wirklichen Brüderlichkeit in der Sendung tritt. Aber es ist im Gegenteil die Sensibilität und die Sorge für das Universale, ausgehend vom Partikularen, für das wir verantwortlich sind, die uns dazu drängen, interprovinzielle und überprovinzielle Strukturen zu schaffen. Sie werden dazu beitragen, die Einheit zu stärken, die gegenseitige Verständigung, die gemeinsame Vision und die Teilnahme an gemeinsamen Projekten für die Vollendung einer gemeinsamen Sendung, die der Herr uns anvertraut hat.

Obgleich wir eine föderalistische Struktur der Provinzen vermeiden müssen, öffnen die Konstitutionen doch weit die Tore, entgegen dem Anschein, um die apostolischen Perspektiven und die Funktionsweisen der Konferenzen Höherer Oberer zu erweitern. Im kommenden Jahrtausend werden es diese Konferenzen sein, die, neben anderen ignatianischen Spannungen, auch die Spannung zwischen einer Globalisierung, die mit ihrem Fortschreiten die gebührende Partikularität respektieren muss, und den lokalen Realitäten, die in der Verteidigung ihrer Rechte Individualismus, Fundamentalismus und andere „Ismen“ vermeiden müssen. Eine neue Sendung erwartet uns hier.

Ausdrucksformen von Kreativität

Die Generalkongregation hat dieses Treffen beauftragt, den Status, die Probleme und die Initiativen der universalen Gesellschaft zu untersuchen (GK 34, 486). So möchte ich zum Schluss aufzeigen, in welcher Weise sich die kreative Treue in der Gesellschaft selbst zeigt sowie im ganzen des Ordenslebens, von dem die Gesellschaft ein Teil ist.

Zuerst sollten wir dankbar anerkennen, was jahrelang getan wurde - und immer noch mit großem Einsatz verfolgt wird - in puncto Rückkehr zu den Quellen. Das Ergebnis erlaubt uns, uns als Jesuiten den Herausforderungen der Zukunft zu öffnen. Es ist unsere Aufgabe, diese Ergebnisse sowohl innerhalb der Gesellschaft bekannt zu machen als auch jenen Männern und Frauen, die in dieser „Gabe des Geistes“ an die Kirche Inspiration finden möchten.

Zum anderen ist festzuhalten, dass den Problemen der Förderung des Nachwuchses, der Zulassung und dem Ausharren in der Berufung, der wachsenden Anfälligkeit unserer institutionellen Arbeit, der geringen Qualität der geleisteten und in Anspruch genommenen Dienste und der steigenden Zahl von Krankheitsfällen, Ermüdung, Altern und Unfällen generell eine positive Einstellung entgegengebracht wird. Diese positive Sicht zeigt sich sowohl in der vollen Integration jener, die sich selbst für die Sendung der Gesellschaft anbieten, in Übereinstimmung mit Ignatius' eigenem Wunsch, als auch in einer aggressiveren Politik der promotio vocationum, verwirklicht vor allem durch das Gebet, dass der Herr der Ernte neue Arbeiter für seine Mission schickt. Indem die Einladung „Kommt und seht!“ des Herrn selbst in die Praxis umgesetzt wird, wird die Anstrengung favorisiert, unser Ordensleben in einer authentischen Weise zu leben, mit einer großzügigen Öffnung für das, was der Geist uns durch die Erwartungen der nachwachsenden Generationen und der Jugend sagt. Es ist auch dieser positive Zugang, der sich in unserem Verlangen zeigt, unsere Anstrengungen auf das wesentliche unserer eigenen Sendung zu konzentrieren, während wir aber auch Männer und Frauen, die nicht Mitglieder der Gesellschaft sind, einladen, auf breiter Grundlage an der Sendung Christi teilzunehmen.

Wir sollten uns auch die drei kreativen Dimensionen unserer Sendung präsent halten, die von der letzten Generalkongregation als Antwort auf die Appelle des Heiligen Vaters für eine spezifische Hilfe von unserer Seite für die Neuevangelisierung erarbeitet wurden. Unsere Sendung schließt die Nähe zu und den Dienst an den Armen ein. Es ist eine Sendung gegründet auf Dialog, die die Gute Nachricht nicht aufdrängt, sondern anbietet, in ständiger Erneuerung der Formen des Zusammenlebens und Teilens mit denen, die auf eine andere Weise glauben als wir. Es ist eine Sendung, die durch den lebendigen Prozess der Inkulturation, selbst im eigenen Land, in unseren Tagen die Gabe der schöpferischen und erlösenden Liebe Christi in eine Welt bringt, die nach Gott dürstet auch wenn sie unverwandt vor Gottes Evangelium wegläuft. Wenn man die jährlichen Berichte der Oberen liest, sieht man, dass die Richtung sehr gut gewählt und unterstützt ist, aber dass immer noch breiter Raum bleibt für Kreativität, für eine weitere radikalere und großzügigere Öffnung in unserem Handeln auf ihn hin, der der „wahre Weg ist, der die Menschen zum Leben führt.“ [Examen 101].

Ein weiteres Zeichen der Kreativität ist die Art und Weise, wie die Gesellschaft die Einladung angenommen hat, das Kommunitätsleben, wo wir für unsere Sendung zusammenkommen, missionarischer zu leben. Schöpferische Treue zum ignatianischen Charisma kann nicht die Sache eines isolierten Jesuiten sein. Sie setzt eine Einheit von Herz und Geist voraus, die sich im gemeinsamen Leben und Handeln als Gefährten Jesu verkörpert. Und in der Tat bezeugen die Ex-officio-Briefe dieses Jahr, das Verlangen, vor allem von Seiten der Jungen, aber auch der Älteren, den Ruf des Herrn zu teilen, der uns vereint, sowie die Sendung, die er, durch seinen Geist, uns weiterhin anvertraut. Auch wenn wir uns im Verlauf dieses Treffens auf interprovinzielle und überprovinzielle Zusammenarbeit konzentrieren ist es klar, dass wir auf eine Gesellschaft und auf Gefährten zählen können wollen, die in Kommunitäten leben, die durch Verfügbarkeit und Brüderlichkeit, durch Solidarität und Gastfreundschaft gekennzeichnet sind, als ein apostolischer Leib. Die Zusammenarbeit, die wir anstreben wird ein Traum bleiben, wenn wir nicht mit Geduld den Versuch machen, das Grundproblem des Kommunitätslebens zu lösen, das zu oft vom Virus des Individualismus infiziert ist. Aber auch auf diesem Gebiet haben wir uns aufgemacht auf einen kreativen Weg, um Kommunitäten zu bilden, die brüderlich und missionarisch sind, entsprechend unserer Weise des Vorangehens.

Ich komme schließlich zum letzten Zeichen der kreativen Treue in der Gesellschaft und anderen Ordensfamilien: die betende Entdeckung der Unterscheidung, um zu hören, was der Geist uns hier und jetzt sagt. Die Quelle des Gebetes, die diese Unterscheidung begleitet und leitet ist mehr und mehr das Wort Gottes, die heilige Schrift. Wie es Ignatius ausgedrückt hätte: wir müssen unablässig die Mysterien des Lebens unseren Herrn Jesus Christus betrachten, um ihn innerlich zu kennen, aber auch um seinen Weg zu entdecken, die Sendung seines Vaters auszuführen. Wir können nicht das Reich Gottes aufbauen, außer in dem selben Geist und in der selben Weise, wie der Herr gehandelt hat, dessen Verständnis von dem, was effektiv ist, völlig von unserem spontanen verschieden ist. Die letzte Generalkongregation hat bestätigt: „Das Hauptkennzeichen unserer Weise des Vorangehens war immer und ist auch heute eine tiefe persönliche Hingabe an Jesus, der selbst der Weg ist.“ [GK 34, 539] Die Hingabe bezieht sich auch auf die Art und Weise, wie der Gesandte des Vaters seine Sendung ausgeführt hat. Die Betrachtung der Mysterien des Lebens Christi gesellt uns so zu ihm, dass wir angesichts all der Probleme, die unsere Sendung berühren - heute speziell die von interprovinzieller und überprovinzieller Zusammenarbeit -, durch seinen Geist fähig werden, die Entscheidungen zu treffen, die Christus getroffen hat. Und sie, in diesen Tagen eines neuen Jahrtausends, in einer schöpferischen Treue zu Ignatius zu treffen, der uns all dies gelehrt hat.

Dies ist dann die Quelle von Treue und Kreativität, die wir neu erforschen und ausschöpfen sollten, inspiriert von der Bekehrung des Ignatius, zur größeren Ehre Gottes.

 

Übersetzung: Herbert Rieger SJ


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